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Festival für regionale Impulse Eisenerz

18. - 21.8.16

„In Eisenerz schlafen wir bei Mutter“

Von Eva W. am 22. August 2015
Blog

Foto: Patrick Rieser

Die Iron Oa Allstars eröffneten gestern die Hauptbühne am Bergmannplatz. Ein klassisches Heimspiel. Mike Adam, Tom Adam, Christian Hartl, Dietmar Hölzl, Peter Krump, Stefan Kastl und Humphrey Zöberer sind aus Eisenerz. Doch nur mehr einer der sieben wohnt noch hier. Ein Gespräch über Landflucht, Wochenenden bei Mutter und soziale Isolation durch die erste eigene Waschmaschine.

Schlaft Ihr heute alle bei euren Müttern?
Ja natürlich. Bei der Mama und den Verwandten.

Wie fühlt es sich an, als frisch gegründete Hobby-Band mit dem ersten Konzert das Rostfest in eurer Heimatstadt zu eröffnen?
Das ist ganz einfach zu beantworten: ziemlich geil. Ungefähr ein Zehntel der Leute im Publikum haben wir gekannt. Wir wohnen nicht mehr hier, haben aber alle noch eine enge Bindung mit Eisenerz. Manche von uns kommen fast jedes Wochenende hierher. Und man muss es so sagen: Wir haben die Chance, die wir von den Veranstaltern bekommen haben, eiskalt genützt.

Wie sind denn die Iron Oa Allstars entstanden?
Wir sind alle miteinander aufgewachsen. Als Jugendliche haben wir zusammen in einer Metal-Band gespielt und nach der Schulzeit sind wir alle aus Eisenerz weggezogen. Den Kontakt haben wir aber nie verloren. Das ist der Vorteil, wenn man in einer kleinen Stadt am Land aufwächst: das verbindet. Heuer im April haben wir dann die Iron Oa Allstars gegründet. Wir wohnen nicht mehr in Eisenerz, sind aber über all die Jahre gute Freunde geblieben.

Heavy Metal ist bei der Eisenerzer Jugend auch heute noch beliebt. Liegt das an der Region?
Ja, bestimmt. Der Erzberg hat da schon einen Einfluss auf den Musikgeschmack.

Lasst uns über Eisenerz reden: Habt Ihr Hoffnung für eure Heimatstadt?
Eisenerz gibt es schon seit hunderten von Jahren und Eisenerz wird es immer geben.

Aber die Frage ist in welcher Form und wie es den Leuten hier geht.
Na ja, der Jungbrunnen Österreichs wird Eisenerz nicht mehr. Aber es gibt großes Potential. Noch ist Eisenerz vom Bergbau geprägt, mittlerweile ist es aber vor allem für den Tourismus interessant. Zurzeit lebt Eisenerz nicht wirklich, aber das wird besser werden. Die Stadt wird sich zu einem Sommerfrische-Ort entwickeln.

Warum hat das in den letzten Jahrzehnten nicht schon funktioniert, dass der Tourismus zum Zugpferd gemacht wird?
Das ist eine längere Geschichte. Ab den Sechzigern ist der Bergbau zurückgegangen, aber niemand wollte das wahrhaben.

Ist das für euch eine schöne Vision, wenn Ihr euch Eisenerz als Tourismusstadt vorstellt?
Schwierig. Die gesamte Region gehört einfach wiederbelebt. Egal wie.

Könnt ihr euch vorstellen, noch einmal nach Eisenerz zu ziehen?
In der Pension auf jeden Fall.

Warum nicht schon vorher? Es gib heutzutage sehr viele Jobs, für die man nicht mehr braucht als einen Internet-Anschluss.
Stimmt. Und es gibt sogar freies WLAN hier. Aber um vor der Pension hierherzuziehen, ist es nicht aufregend genug.

Hat das Rostfest eurer Meinung nach eine nachhaltige Wirkung?
Ja, absolut. Es gibt der Stadt einfach einen Impuls. Auch heuer wieder. Und was wirklich wichtig ist: Es ist nicht ein dreitägiger Spaß und das war’s dann für das restliche Jahr, sondern die Bevölkerung wird total eingebunden.

Wie ist denn der typische Eisenerzer?
Um das zu erfahren, muss man sich nur die Landschaft anschauen: Ein Tal umringt von Bergen. Sagen wir so: der typische Eisenerzer ist sehr fokussiert.

Warum seid Ihr damals weggezogen?
Es war schon was los in der Stadt. Vor zwanzig Jahren haben sich am Bergmannplatz immer ein Haufen Jugendlicher getroffen. Wir haben Gitarre gespielt, gesungen und die beste Leberkäsesemmel aller Zeiten gegessen. Aber trotzdem gab es keine guten Perspektiven. Wären wir aber eine Generation früher geboren worden, wären wir wie unsere Väter alle hiergeblieben.

Zählt doch bitte kurz einzeln auf, welchen Beruf euer Vater hatte und welchen ihr habt?
Mein Vater war Maurer am Erzberg und ich bin Optiker. Mein Vater war dort auch Maurer, weil wir sind Brüder, und ich arbeite in der Automobilbranche. Mein Vater war Mechaniker am Erzberg und ich bin Jugendarbeiter. Mein Vater war in der Bergwerkschule Ausbildner und ich bin Musiklehrer – und wohne als Einziger von uns immer noch hier. Mein Vater war Zimmerer – zuerst am Erzberg und dann bei der Gemeinde – und ich bin Soziologe.

Was habt ihr euch damals gedacht, als ihr weggezogen seid?
Gott sei Dank. Matura. Danke. Wiederschauen. Wir sind aber eigentlich alle immer regelmäßig auf Besuch nach Eisenerz gekommen. Irgendwann hat man dann aber eine eigene Waschmaschine und bleibt an den Wochenenden doch daheim.

Geht es den Eisenerzer Jugendlichen heute noch so?
Nirgendwo geht es den jungen Leuten so wie uns früher. Wir hatten sehr viele Freiheiten. Das war eine tolle Jugend. Aber es ist ganz klar so: Wer sich für eine Uni-Ausbildung entscheidet, geht weg.

Eine Frage an den Musiklehrer: Gibt es in Eisenerz ein bisschen Jugendkultur?
Ich arbeite in der Musikkapelle. In der Volksmusik tut sich hier sehr viel. Sonst passiert aber sehr wenig.

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