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Festival für regionale Impulse Eisenerz

18. - 21.8.16

Die Glückssteine von Herrn Eibler

Von Eva W. am 23. August 2015
Blog

Fotos:  © Sascha Pseiner 

Die Telefonleitung zu Gott führt an den Rand einer verlassenen Fensterbank. In der Münichtalsiedlung hat das Zentrum für veraltete Kommunikationsformen (ZVK) seinen Firmensitz eingerichtet. Das Klamauk-Kollektiv führt beim Rostfest ein Fantasie-Unternehmen. Eifrig verlegen die drei Männer in Ganzkörper-Anzügen und ihr Praktikant in Unterhosen am Urban-Camping-Areal seit Mittwoch Schnur-Telefonleitungen. Das Büro in der Waldmeisterstraße 7 ist die treue Instanz des Rostfest-Dada. „Es ist ein bisschen wie Lager bauen in der Schulzeit“, sagt Stucke, treu ergebener Mitarbeiter, und fällt dann wieder in seine Rolle.

An der Wand hängen Reparationsaufträge von Kunden, Motivationsbilder von den eigenen Mitarbeitern und Abmahnungen vom Chef. Serious business. „Durch die Motivationsbilder haben wir eine Effizienzsteigerung von 23 Prozent erreicht“, sagt Stucke. Nächstes Jahr wird der ZVK auf besser spannbaren Garn umsteigen und auf das Skateboardrollen-System verzichten – die Haken in der Wand haben sich beim diesjährigen Prototyp als produktivere Förderform erwiesen.

In der parallel liegenden Speickstraße sitzt vor ihrer Urban-Camping-Wohnung eine Gruppe Frühaufsteher und kocht Spiegelei auf einem Gaskocher. „Es ist irgendwie ein bedrückendes Gefühl, in einem leerstehenden Gebäude zu wohnen und gleichzeitig zu wissen, dass Flüchtlinge in Zelten schlafen müssen“, sagt Robert. Sein radikaler Ansatz: „Eigentlich müsste man als Festival-Community kollektiv den Flüchtlingen einen Transport bezahlen und mit ihnen hier die Häuser besetzen.“

Im Haus gegenüber wagt ein anderer Robert nach einer Vodka-geschwängerten Nacht die ersten Gehversuche. „Man fühlt sich ein wenig wie ein Hausbesetzer beim Urban-Camping. Das ist ein wenig Freiheitsgefühl“, erklärt er, während er vor der Lücke in seiner Wohnung steht, die ein ein ausgebauter Herd hinterlassen hat.

Am Fuße der Siedlung steht Josef Eibler vor seinem Haustor und verteilt Glückssteine. Der 86-jährige Eisenerzer hat gestern den Beitrag über das Rostfest in „Bundesland heute“ gesehen.“Schön war der, so schön“, sagt Eibler. Darum hat er sich heute entschlossen, sein Steinsammlung im Keller zu plündern. Tausende von Steinen hat er in den 40 Jahren gesammelt, die er am Erzberg gearbeitet hat. „40 Jahre ohne Krankenstand“, betont er.

Stolz erzählt er von den Jahren, als hier in der Siedlung noch alle Häuser bewohnt waren. „Heute ist es ein bisschen wie damals“, sagt er abschließend und teilt die allerletzten Steine im Karton aus.Verschenken geht in Ordnung. Verkaufen darf man die Steine hingegen nicht. Das bringt Unglück. Und das hatte er, mit seinem Keller voller Glücksbringer, noch nie.

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