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Festival für regionale Impulse Eisenerz

16. - 17.8.19

Gran Bankrott

Live / Musik

Gran ist tot! Lang lebe Gran Bankrott! Der in Wien wühlende DIY- Tausendsassa Florian Tremmel verabschiedet sich nach einer EP und zwei LPs von seinem Solo-Act Gran, um ihn in Form von Gran Bankrott wieder auferstehen zu lassen. Entstanden ist Das Album, was gleichzeitig auch der Titel des Debüts ist, wie gewohnt zu größten Teilen in Eigenproduktion, für die Aufnahme der Saiteninstrumente zeigt sich Langzeit Wegbegleiter Philipp Forthuber verantwortlich, gemastert wurde die Platte von Gustavo Petek. 

Auf “Das Album” begegnet uns vieles von dem, was bereits Gran als Outstanding Act in Post Punk Kreisen auszeichnete. Ein gekonnter Mix aus groovig treibendem Post Punk à la Gang of Four, großen Posen Richtung mittlerer Wire, angereichert mit von Synthies getragenen Ausflügen in düsterere New-Wave-Gefilde und schlussendlich abgerundet mit einem feinen Händchen für Dub, Pop und Funk-Raffinessen. Das Gran Bankrott von Numavi Records, einem niemals müden Steckenpferd des österreichischen Musikunderground unterstützt wird, ist dabei jedoch nicht die einzige Neuigkeit. Nicht nur die hauptsächlich in Deutsch gehaltenen Texte, sondern auch so mancher Synthieffekt oder Noise-Loop erinnern an die Schnittstelle von NDW und Avantgarde Punk, die in den 80er Jahren von zickzack-Records-Bands wie Abwärts zelebrierte wurden. Während Letztgenannte die Hektik des urbanen Alltags – von lauten Benzinmotoren über schrill piepsenden Supermarktkassen in ihren Sound – übersetzen, führt uns Gran Bankrott durch die gegenwärtige Tristesse der vermeintlich lebenswertesten Stadt der Welt. Diese Reise führt uns vorbei an Mietelektrorollern die achtlos von Slim-Fit- Anzugträgern auf den Gehsteigen verteilt werden, sowie durch einen Parcours voll rasender, unterbezahlter, in schrillen Neonfarben gekleideten Fahrradlieferant*innen. 

Auf dieser LP finden sich Hymnen für eine Generation Prekärer, die mit keinem der gesellschaftlichen Angebote so recht zufrieden sind. In der hypnotisierenden, ersten Videoauskopplung Raum, eine Ode an subkulturelle Oasen, wie dem Wiener Art-Space SSTR6, wird so gleich auch ein temporärer Fluchtpunkt in dieser Misere skizziert: „dieser Raum spendet Applaus, ich ruh mich in ihm aus“. Mit Sicherheit keine Rettung aber zumindest eine Verschnaufpause. Die Losung bleibt wohl: Prekäre aller Länder vereinigt euch und tanzt Dark Pogo mit Gran Bankrott! 

Text: Markus Gönitzer