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Festival für regionale Impulse Eisenerz

16. - 18.8.18

Tents

Live / Musik

Endlich einmal gute Nachrichten: Beschäftigungstherapiebedürftige müssen nicht länger leiden. In „Sabbatical“, dem knackfrischen Vorboten ihres Albums Stars on the GPS Sky, raten TENTS (Wien/AT) uns an, zwecks Selbstfindung den Kilimanjaro zu besteigen, einen Malkurs in Florenz zu belegen oder im Kajak durchs Meer zu paddeln. In jedem Fall: „Move your asses!“ Erinnert sich noch wer an den Sommer 2017? Wir aßen in schwülen Nächten Teller mit „heaps of spaghetti ice cream“ drauf, bewunderten bei Tag die glatte, majestätische Schönheit undurchdringlicher Grenzmauern („an impenetrable wall, physical beautiful, tall“) und unten im Bunker war es angenehm kühl.
„’twas cool in my bunker though.“
So erzählen es TENTS in „Summer of ’17“, dem Opener von Stars on the GPS Sky. Hätte in jenem Sommer ein verspielter NSA-Agent die pulsierenden blauen Punkte von Clemens Posch (Gitarre, Stimme, manchmal Bass), Lucas Kulterer (Bass, Tasten) und Paul Stöttinger (Schlagzeug, Tasten) auf seinem GPS-Raster geortet, sie hätten sich entweder in ihrem Proberaum oder im Wien Studio von Christoph Amann zu einer bebenden kleinen Traube vereint. Da erzeugten TENTS nämlich jene Klangbrocken, die sie später, bis tief ins nächste Jahr hinein mit Ko-Produzent Mario Zangl (Mile Me Deaf, Meltdowner) zu songförmigen Sternen bzw. sternförmigen Songs zusammensetzen sollten.
„I was a one hit wonder / Dropped dead over night“, singt Posch, der gutturalen Pathos genauso drauf hat wie schnippischen New Wave-Gesang, in „Dusk“. Der TENTS bisher einziges IndieCharts-Wunder, ihre Debüt-EP „Under My Wings“, ist bereits zwei Jahre alt. Damals hatten sie Post-Punk-Ästhetik mit beinahe schlageresker Mittelwellen-Sehnsucht versüßt. Nichts auf Stars on the GPS Sky geht in dieselbe Richtung. Der Titeltrack etwa klingt, als wäre Brian Eno noch ein Bandschnipsel von „Another Green World“ übrig geblieben, das sich Damon Albarn aus dem Studioregal geborgt und mit melodiös metropolitaner Melancholie überzogen hätte. „Who built this shit elevator?“ fragt sich der unverlässliche Erzähler im darauf folgenden Song „Elevator.“
Es ist 2018, und niemand braucht uns zu erklären, wem dieser goldene Aufzug gehört. Das trifft sich auch gut, denn TENTS erklären gar nichts. „Wen kümmert’s, wer spricht“, sagen sie. Wenn eine Band in Wien englischsprachige Texte schreibt, dann bedient sie sich am besten an den scheinbar beliebigen Sprachfetzen, die beliebig angewählt allüberall aus flachen Lautsprechern dringen. „We’ve come to stay in this ascended state“, streut Posch als Zeile der Erkenntnis zwischen Zitate banaler Marketing-Lingo ein. Und er hält dieses Versprechen für die gesamte Länge dieser Debüt-LP, die nur so glitzert vor einer der heimlich sexiesten Eigenschaften im Pop – der sprühenden Intelligenz

https://www.facebook.com/TENTS.vie/